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Initiativgruppe zum Erhalt der Sorbischen Mittelschule Panschwitz-Kuckau
Sehr geehrter Herr Staatsminister,
mit sehr großer Sorge verfolgen wir den massiven Eingriff in das Netz der sorbischen Mittelschulen des Verwaltungsverbandes "Am Klosterwasser". Besonders schwerwiegend sehen wir die Folgen des Mitwirkungsentzuges für unsere Sorbischen Mittelschule "©ula Æi¹inskeho" in Panschwitz-Kuckau.
Diese Entscheidung war und ist umso unverständlicher, als im Vorfeld sowohl seitens der Gemeinderates als auch der zuständigen sorbischen Gremien (Rat für sorbische Angelegenheiten, Sorbischer Schulverein e.V., Domowina) nicht nur vor den verheerenden Konsequenzen für unser zweisprachiges Gebiet gewarnt wurde, sondern auch konkrete Vorschläge zur Lösung unterbreitet wurden.
Als Beweis hierfür erhalten sie folgende Schreiben in der Anlage als Kopien:
Schreiben vom 29.04.2005 an das Landratsamt Kamenz
Schreiben an das Kultusministerium vom 04.05.2005
Schreiben des Sorbischen Schulvereins e.V. vom 10.05.2005
Zeitungsbericht in Serbske Nowiny vom 26.05.2005 über eine Gesprächsrunde in Ihrem Ministerium
Schreiben des Rates für Sorbische Angelegenheiten vom 07.06.2005
Die Aufzählung weiterer ähnlicher Aktivitäten zur Erhaltung unserer sorbischen Mittelschule ließe sich fortsetzen. Letztendlich sind alle unsere Sorgen, Vorschläge und Forderungen unbeachtet geblieben.
Gleichermaßen enttäuscht sind wir von den zuständigen Behörden des Landkreises Kamenz, in dessen Trägerschaft sich unsere Mittelschule seit dem 01.01.2003 befindet.
Der Gemeinderat hatte sich mit Beschluss vom 26.09.2002 schweren Herzens für den Trägerwechsel entscheiden müssen, weil die Gemeinde durch die verordnete Haushaltskonsolidierung gezwungen wurde alle Möglichkeiten zur Einsparung von Haushaltmitteln wahrzunehmen.
Ausdrücklich auf Forderung der Gemeinderäte wurden im §2 bzw. §3 des Vertrages die folgenden Sätze zusätzlich aufgenommen:
" Die Trägerschaftsübernahme erfolgt unbefristet mit dem Ziel der dauerhaften Aufrechterhaltung des Mittelschulstandortes. … Die Schule behält ihren Status als Sorbische Schule gemäß § 2 SchulG, in Verbindung mit §4 der "Verordnung des Sächs. Staatsministeriums für Kultus über die Arbeit an sorb. und anderen Schulen im deutsch-sorbischen Gebiet! "
Ein Jahr später hat der Landkreis diese Verpflichtung gebrochen. Ein Beweis dafür ist der Bescheid Ihres Ministeriums vom 27.05.2005 an den Landkreis Kamenz, in dem es unter "Begründung" heißt: "Sie teilten dem Sächs. Staatsministerium für Kultus mit Schreiben vom 06.05.2005 mit, dass dem Mitwirkungsentzug für die Sorbische Mittelschule Panschwitz-Kuckau zugestimmt werde"
Statt also um die einzige sorbische Mittelschule in seiner Trägerschaft zu kämpfen, wollte bzw. will sie der Landkreis so schnell wie möglich loswerden. Das steht im krassen Widerspruch zu den im Übernahmevertrag eingegangenen Verpflichtungen.
Eine entsprechende Mitteilung an unsere Gemeinde erfolgte ebenfalls nicht.
Im Gegensatz dazu hat die Gemeinde Radibor als Schulträger bewiesen, dass die rechtzeitige Ausschöpfung rechtlicher Möglichkeiten gegen einen Mitwirkungsentzug bezüglich sorbischer Mittelschulen keine Utopie ist, sondern ein durchaus erfolg- versprechendes und demokratisches Mittel.
Das Sächsische Obervelwaltungsgericht Bautzen hat der Beschwerde der Gemeinde Radibor Anfang September 2005 entsprochen und damit die Einrichtung der dortigen 5. Klasse ermöglicht, obwohl weder eine Zweizügigkeit noch eine Mindestschülerzahl für eine Klasse vorhanden war.
Bemerkenswert und aufschlussreich ist vor allem folgender Passus des OVG:
"Bei seiner Abwägung habe das Sächsische Staatsministerium für Kultus zwar berücksichtigt, dass den Schülern aus Radibor mit der Sorbischen Mittelschule Bautzen in zumutbarer Entfernung eine sorbische Mittelschule zur Verfügung stehe.
Es sei jedoch wegen Verpflichtung zur Förderung der sorbischen Sprache zu Unrecht unberücksichtigt geblieben, dass wegen der Zweitwünsche der Schüler bei einer Nichteinrichtung einer fünften Klasse an der Sorbischen Mittelschule in Radibor die Zahl der sich mit sorbischer Sprache in der Mittelschule beschäftigenden Kinder geringer werde. Es überwiege deshalb das Interesse an einer vorläufigen Einrichtung einer 5.Klasse. Bei der abschließenden Überprüfung sei auch zu beachten, dass die Entscheidung der Eltern, ihre Kinder nicht an der Sorbischen Mittelschule Bautzen einzuschulen, mitursächlich für den Rückgang der an einer sorbischen Schule lernenden Kinder ist"
Die für das Jahr 2007 geplante Schließung unserer Mittelschule wird für den Erhalt der sorbischen Sprache im zweisprachigen Gebiet fatale Folgen haben.
Eltern, vor allem aus den Randgebieten (Ostro, Säuritz, Kriepitz, Kaschwitz, Jauer, Miltitz, usw.) könnten gezwungen sein, ihre Kinder in Schulen ohne sorbischen Unterricht anzumelden.
Solche Entscheidungen der Eltern haben wir als Folge des Mitwirkungsentzuges an unserer Mittelschule. Von den 19 Schülern der nicht eingerichteten 5. bzw. 7. Klasse lernen 4 in der Mittelschule Elstra, an der kein Sorbischunterricht angeboten wird.
Das sind mehr als 20% der Schüler. Es besteht die Gefahr, dass sich diese Tendenz in Zukunft noch verstärkt.
Sorbische Kinder, die eine solche Schule besuchen, bleiben Analphabeten in ihrer Muttersprache! Das würde bedeuten, dass die sorbische Sprache weiter zurück gedrängt und auf den familiären Bereich beschränkt wird. Eine Verringerung des sorbischen Sprachgebiets wäre die Folge.
Entschiedenen Protest legen wir gegen folgende Formulierung Ihres Ministeriums ein:" Die Mittelschule Panschwitz-Kuckau ist gegenwärtig noch nicht in der Evaluation des o.g. Konzeptes (gemeint ist "2plus") eingebunden. Die Schüler der Projektklassen besuchen derzeit die 3. Klasse der Sorbischen Grundschule Panschwitz-Kuckau" Die Wahrheit ist vielmehr, dass unsere Grundschule bereits im Schuljahr 1999/2000 mit dem zweisprachigen Unterricht begonnen hat. Die 2005/06 nicht eingerichtete 7. Klasse sowie die jetzige 6. Klasse sind die ersten zweisprachigen Klassen in der Lausitz.
Jetzt wurde bzw. wird etwas zerschlagen, was über Jahre mit viel Mühe, Überzeugungsarbeit und Enthusiasmus gemeinsam mit deutschen und sorbischen Eltern in der Grund- und Mittelschule erfolgreich aufgebaut wurde.
Unsere Grund- und Mittelschule nahmen bei der Umsetzung des Konzeptes 2plus eine Vorreiterrolle in Sachsden ein. Erfahrungen von Eltern und Lehrern zeigen, dass sich seitdem das Verhältnis zwischen deutschen und sorbischen Schülern weiter verbessert hat.
Die Vorbehalte von Eltern gegenüber dem Unterricht in sorbischer Sprache konnten abgebaut werden. Die Qualität des Sorbisch- Unterrichtes ist eindeutig gestiegen. Die sprachlichen Fähigkeiten der Schüler wurden wesentlich verbessert. Die Schließung unserer Mittelschule würde alle bisher erzielten Erfolge zu Nichte machen .
Die Weiterführung des WITAJ - Projekts in den Kindergärten und in der Grundschule wäre in Frage gestellt.
An dieser Stelle sei nochmals erinnert, dass sich das Land Sachsen durch die Landesverfassung, dem Gesetz zur Wahrung der Rechte der Sorben …, der Europäischen Charta für Regional- und Minderheitensprachen, zu seiner Verantwortung für die Erhaltung der sorbischen Sprache und Kultur bekennt.
Ein entscheidendes Kriterium für die Schulnetzplanung sind die Schülerzahlen. In unserer Grundschule lernen in diesem Schuljahr 73 Schüler. Zum Vergleich nennen wir die Zahlen für die anderen GS: Crostwitz 63, Räckelwitz 65, Ralbitz 68. Auch bei den zu erwartenden Schulanfängern der Jahre 2006 bis 2011 sprechen die Zahlen eindeutig für unseren Schulstandort, wie es aus der Statistik des Einwohnermeldeamtes des Verwaltungsverbandes Am Klosterwasser ersichtlich ist (Anlage 10).
Schließlich sei noch gesagt dass in unserer Gemeinde mit 2230 Einwohnern etwa ein drittel aller Einwohner des Verwaltungsverbandes leben.
Panschwitz-Kuckau als Sitz des Verwaltungsverbandes hat eine sehr gute Anbindung an das vorh. öffentliche Verkehrnetz und besitzt eine für den ländlichen Raum vorbildliche Infrastruktur.
Sehr geehrter Herr Staatsminister,
wir bitten Sie sehr herzlich sich unserer Bedenken und Sorgen anzunehmen und unser Anliegen gründlich zu prüfen.
Gleichzeitig bitten wir Sie und Ihr Ministerium die voraussichtlich für März 2006 anstehende Schulnetzplanung des Landkreises Kamenz zu begleiten, damit Entscheidungen getroffen werden, welche die Wahrung der Zweisprachigkeit im sorbischen Kerngebiet am effektivsten garantieren (große Tangente).
Bitte geben Sie uns die Gelegenheit unser Anliegen in einem Gespräch Ihnen, Herr Staatsminister, persönlich vorzutragen
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