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Faire Prüfung angemahnt
Panschwitz-Kuckau
Schulnetzplan. Eltern und Gemeinderäte kämpfen um den Erhalt der Mittelschule Panschwitz.
Andreas Kirschke
„Eine Entscheidung am Schreibtisch“, nannte vor Monaten Witaj-Mitinitiator Jan Barth den Bescheid des Kultusministeriums. Dresden entzog die Mitwirkung für die 5. und 7. Klasse der Æi¹inski-Mittelschule. Im Juli 2007 soll die Einrichtung ganz schließen. Eine Initiativgruppe aus Eltern und Gemeinderäten kämpft um die Schule.
Seit Anfang des Jahres läuft eine Unterschriftenaktion für den Erhalt. In der Gemeinde, im sorbischen Kernland, in Bautzen, Dresden, Leipzig und sogar in den alten Bundesländern unterstützen sie Sorben. „Es geht um eine Willensbekundung der Einwohner, der Sympathisanten und Interessierten“, sagt Bianka Vacek, Vorsitzende des Elternrates. In einem vierseitigen Brief wandte sich die Initiative am 2. Januar an Kultusminister Steffen Flath. Man verweist auf viele Aktivitäten für den Erhalt der Schule im Vorfeld des Ministeriumsbescheides. „Letztendlich sind alle unsere Sorgen, Vorschläge und Forderungen unbeachtet geblieben“, so der Brief. „Gleichermaßen enttäuscht sind wir von den zuständigen Behörden des Landkreises Kamenz, in dessen Trägerschaft sich unsere Mittelschule seit 1. Januar 2003 befindet.“ Noch Anfang 2003 habe sich der Kreis zur Schule bekannt. Nur fünf Monate später gab es andere Töne. „Auch der genehmigte Schulnetzplan des Landkreises Kamenz vom 20. Mai 2003 verneint ein öffentliches Bedürfnis für die langfristige Fortführung der Schule“, hieß es am 27. Mai 2005 im Bescheid des Kultusministeriums an Landrätin Petra Kockert. Das Ministerium berief sich in seiner Entscheidung mit auf den Kreis. „So kann man nicht miteinander umgehen. Das ist aus unserer Sicht nicht fair“, spricht Stefan Rehde von Vertragsbruch des Kreises gegenüber der Gemeinde.
Krassen Widerspruch gesehen
Am 6. Mai 2005 teilte die Landrätin dem Kultusministerium mit, dass dem Mitwirkungsentzug für die Sorbische Mittelschule Panschwitz-Kuckau zugestimmt werde. „Das steht in krassem Widerspruch zu den im Übernahmevertrag eingegangenen Verpflichtungen“, so die Initiativgruppe. Das Beispiel Radibor zeigte eine Alternative. Hier habe die Gemeinde bewiesen, dass die Ausschöpfung rechtlicher Möglichkeiten gegen einen Mitwirkungsentzug bezüglich sorbischer Mittelschulen ein durchaus erfolgversprechendes und demokratisches Mittel sei. Kritik übt die Initiativgruppe auch am Kultusministerium selbst. Die Mittelschule Panschwitz-Kuckau sei noch nicht in die Bewertung des zweisprachigen Konzeptes eingebunden, hieß es im Mai 2005 im Bescheid des Ministeriums an den Kreis. Die Projektschüler besuchten die 3. Klasse der Panschwitzer Schule. „Richtig ist, dass unsere Grundschule bereits im Schuljahr 1999/2000 mit dem zweisprachigen Unterricht begonnen hat“, stellen Eltern und Gemeinderäte klar. „Die 2005/2006 nicht eingerichtete 7. Klasse sowie die jetzige 6. Klasse sind die ersten zweisprachigen Klassen in Sachsen“, so der Brief. „Jetzt wird etwas zerschlagen, was über Jahre mit viel Mühe, Überzeugungsarbeit und Enthusiasmus gemeinsam mit deutschen und sorbischen Eltern in der Grund- und Mittelschule aufgebaut worden ist.“
Gespräch mit Flath erhofft
Im Brief an Staatsminister Flath verweisen Eltern und Räte auch auf die Schülerzahlen. In der Grundschule Panschwitz-Kuckau lernen in diesem Schuljahr 73 Schüler. Zum Vergleich: Crostwitz 63, Räckelwitz 65, Ralbitz 68. „Auch bei den zu erwartenden Schulanfängern der Jahre 2006 bis 2011 sprechen die Zahlen eindeutig für unseren Schulstandort.“ Die Gesamtzahl der Schulanfänger betrage 423, die sich wie folgt aufteilen: Panschwitz 117, Ralbitz-Rosenthald 108, Nebelschütz 77, Crostwitz 67, Räckelwitz 54. Die Initiativgruppe hofft jetzt auf eine faire Prüfung der Argumente. Auf ein Gespräch mit dem Minister. „Er sollte unsere Anliegen und bedenken prüfen,“ will Bianka Vacek weiterkämpfen. Stefan Rehde hofft auf eine Stellungnahme aus Dresden, ob der Kreis Vertragsbruch beging oder nicht. „Das Ministerium sollte die Schulnetzplanung des Kreises begleiten.“ Dieser legt am 18. Januar den Entwurf der Schulnetzplanung vor. Eine Information, die Eltern und Räte mit Spannung erwarten.
Initiativgruppe
Ende Mai 2005 verwies der Elternrat der Æi¹inski-Mittelschule in einem Brief ans Landratsamt auf die besondere Sensibilität der Zweisprachigkeit. Am 4. Oktober gab es ein Gespräch mit Landrätin Petra Kockert und dem Beigeordneten Steffen Domschke. Als Ergebnis der Elterinformation und einer weiteren Elternversammlung im November bildete sich eine Initiativgruppe zum Erhalt der Mittelschule. Sie besteht aus Eltern und interessierten Gemeinderäten. Ein Brief vom 2. Januar wendet sich direkt an Minister Flath mit der Bitte um ein Gespräch. Der Rat für sorbische Angelegenheiten in Sachsen, der Sorbische Schulverein, Domowina, Landrätin Petra Kockert und der Verwaltungsverband Am Klosterwasser erhielten eine Kopie des Schreibens. Auch sorbische Medien informierte die Initiativgruppe.
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